Eine neue Waffe gegen den Krebs

Artikel vom 22.01.2013

Im St. Elisabeth Krankenhaus in Wittlich arbeiten Mediziner erfolgreich mit einer modernen Therapieform zur Zerstörung von Tumorzellen in Lunge und Leber. Die sogenannte Radiofrequenzablation setzt auf die Zerstörung von Tumorgewebe durch punktuelle Erhitzung.

Dr. Dirk Lommel (li.) und Dr. Cem Atamer (re.) mit einer hochmodernen Nadel-Elektrode.

Weltweit nehmen die Krebserkrankungen zu. Dieser in einer einzigen Zelle startende bösartige Entartungsprozess führt zu einer raschen Vermehrung von krankhaft veränderten Zellen, die sich auf angrenzende Zellen und Körperorgane ausdehnen. Durch den medizinischen Fortschritt sind die Heilungschancen bei vielen Krebserkrankungen verbessert worden. Je nach Entstehung und Ausprägung variieren die Behandlungsansätze, um die Therapie optimal an den einzelnen Patienten anzupassen.Starke örtliche ErhitzungIm Wittlicher Krankenhaus haben Dr. Dirk Lommel von der Radiologie Wittlich und Dr. Cem Atamer, Chefarzt der Allgemein- und Visceralchirurgie der Verbundklinik, zusammen ein neues minimal invasives Therapieverfahren eingeführt. Die sogenannte Radiofrequenzablation soll Krebspatienten helfen, für die eine Operation nicht oder nur eingeschränkt hilfreich ist. Die Ärzte erläutern: "Während eine Operation durch die hohe Sicherheit der vollständigen Entfernung des entarteten Gewebes immer noch an erster Stelle in der Therapiewahl steht, ist ein derart großer Eingriff für manche Patienten nicht möglich." Beispielsweise könnten Größe und Lage eines Tumors oder auch die Gesamtkonstitution des Patienten eine Operation nicht zulassen.


Zielgenau ins Wärmefeld

Entweder als eigener Eingriff oder ergänzend bei einer Operation erzeugen die Ärzte durch den Einsatz spezieller Elek trodennadeln ein Wärmefeld zielgenau in den Tumorzellen. Die exakte Positionierung der Nadelspitze wird durch moderne Bildgebung per Computertomographie (CT) oder ultraschallgestützt garantiert. Einmal in der Tumormitte angekommen, entfaltet der erfahrene Radiologe die aus einer nur zwei Millimeter starken Hohlnadel kommenden Elektroden wie die Streben eines Minischirmes. Der durch sie geleitete hochfrequente Wechselstrom mit niedriger Stromstärke erzeugt in den Zellen eine starke örtliche Erhitzung. So wird das Tumorgewebe zyklenweise bei rund 50 Grad Celsius komplett zerstört, sozusagen "verkocht". Diese Zerstörung von Weichgewebe mittels Wärme ist ein in den universitätsmedizinischen Zentren wie Köln, Gießen und Mainz seit Jahren bewährtes Verfahren. Dirk Lommel betont: "Wir freuen uns, diese schonende und unter lokaler oder allgemeiner Betäubung eingesetzte Behandlungsform nun auch in Wittlich anbieten zu können. Sie bietet eine wirkliche Alternative zu den chemotherapeutischen Ansätzen." In den vergangenen 24 Monaten behandelten die Ärzte damit etwa 20 Lungen- oder Lebertumore. Den Chirurgen eröffnet die Radiofrequenzablation neue gemeinsame Therapiewege, wie Atamer erläutert: "Das neue Verfahren ergänzt optimal unsere chirurgischen Möglichkeiten zur Tumorentfernung und verbessert in vielen Fällen die Heilungschancen bei einer Krebserkrankung".


Wöchentliche Konferenz

Über die für einen Patienten jeweils erfolgversprechendste Therapiemethode entscheiden die Mitglieder einer wöchentlich tagenden Tumor-Konferenz der Verbundklinik. Bei dieser Versammlung sind die medizinischen Kompetenzen aus Onkologie, Radiologie, Chirurgie, aus verschiedenen Bereichen der Inneren Medizin sowie der Strahlentherapie vereint.

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